Geschichte des Podcasts: Von der Nische zum Massenmedium

Frau mit Kopfhörern hört lächelnd einen Podcast auf dem Smartphone

Den Begriff „Podcasting“ gibt es seit Februar 2004, Apple nahm Podcasts im Juni 2005 in iTunes auf, und 2014 machte die Serie „Serial“ das Format über die Technikszene hinaus bekannt. Heute hört ein Viertel der Menschen in Deutschland ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche Podcasts, in den USA nutzen 58 Prozent der Bevölkerung ab 12 Jahren sie jeden Monat. Unten findest du die wichtigsten Stationen als Zeitleiste, die aktuellen Nutzungszahlen und eine Einordnung für Unternehmen.

Was ist ein Podcast?

Ein Podcast ist eine Reihe von Audio- oder Videofolgen, die über einen RSS-Feed verteilt wird. Wer ihn abonniert, bekommt neue Folgen automatisch in die App seiner Wahl, ob Apple Podcasts, Spotify oder YouTube. Du entscheidest selbst, wann und wo du hörst, das unterscheidet den Podcast vom klassischen Radio. Das Kunstwort setzt sich aus „iPod“ und „Broadcast“ zusammen.

Zeitleiste: Podcasting von 2004 bis 2026

WannWas passiert ist
Februar 2004Der Journalist Ben Hammersley fragt im Guardian, wie das neue Amateurradio heißen soll: „Audioblogging? Podcasting? GuerillaMedia?“
28. Juni 2005Apple baut mit iTunes 4.9 ein Podcast-Verzeichnis ein, zum Start mit über 3.000 kostenlosen Podcasts.
3. Oktober 2014„Serial“ startet als Ableger von „This American Life“. Bis Dezember wird die Serie zum am schnellsten heruntergeladenen Podcast in der Geschichte von iTunes.
15. Mai 2016„Fest & Flauschig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schulz startet bei Spotify, als Nachfolger der Radiosendung „Sanft & Sorgfältig“ auf Radio Eins.
27. September 2017Felix Lobrecht und Tommi Schmitt veröffentlichen die erste Folge von „Gemischtes Hack“.
8. November 2017Die ARD startet die ARD Audiothek als App.
6. Februar 2019Spotify übernimmt die Podcastfirmen Gimlet und Anchor.
Februar 2020NDR Info startet „Das Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Christian Drosten. Der Podcast gewinnt im selben Jahr zwei Grimme Online Awards.
März 2020Der erste Deutsche Podcast Preis wird vergeben, wegen der Pandemie online.
Mai 2020Spotify sichert sich „The Joe Rogan Experience“ exklusiv.
Februar 2024Rogan unterschreibt einen neuen Vertrag ohne Exklusivität, die Show läuft wieder auch bei Apple Podcasts, Amazon Music und YouTube.
9. März 2026Aus der ARD Audiothek wird ARD Sounds.
März 2026Laut „The Infinite Dial 2026“ nutzen 58 Prozent der US-Bevölkerung ab 12 Jahren monatlich Podcasts, so viele wie nie zuvor.

Wie wurde aus der Nische ein Massenmedium?

Der Weg verlief in drei Etappen: erst Technik für Bastler, dann ein erzählerischer Durchbruch, schließlich das große Geld der Plattformen.

Die Bastlerjahre

Im Guardian-Artikel „Audible revolution“ vom 12. Februar 2004 beschreibt Ben Hammersley eine Szene, die gerade erst entsteht: MP3-Player in vielen Taschen, billige Schnittsoftware, Weblogs als etabliertes Werkzeug. Den Namen „Podcasting“ wirft er als eine von drei Möglichkeiten in den Raum. Er setzte sich durch.

Den ersten großen Schub brachte Apple. Am 28. Juni 2005 erschien iTunes 4.9 mit eigenem Podcast-Verzeichnis. Steve Jobs kündigte an, Apple bringe Podcasting damit in den Mainstream, so steht es in der damaligen Pressemitteilung. Zum Start ließen sich über 3.000 Sendungen abonnieren, darunter Angebote von ABC News, BBC und NPR-Stationen. Heute heißt das Angebot Apple Podcasts. Groß wurde das Publikum trotzdem lange nicht. Rückblickend beschreibt der Digital News Report 2025 die frühen Jahre so: kleine Hörerschaften, kein Geschäftsmodell, dafür viel Leidenschaft für ein Medium von unten.

„Serial“ und der Erzählpodcast

Am 3. Oktober 2014 erschien die erste Folge von „Serial“. Die Journalistin Sarah Koenig rollte darin über eine ganze Staffel den Mordfall Hae Min Lee aus dem Jahr 1999 neu auf. Oft liest man, „Serial“ sei der meistgehörte Podcast aller Zeiten. Belegt ist das nicht. Belegt ist, dass die Serie im Dezember 2014 als am schnellsten heruntergeladener Podcast in der iTunes-Geschichte galt, mit über fünf Millionen Downloads in den ersten Monaten. Dazu kam ein Peabody Award für den Jahrgang 2014. Wichtiger als jeder Rekord war die Wirkung. Die Peabody-Jury schreibt der Serie zu, das Podcasting in den kulturellen Mainstream katapultiert zu haben, und True Crime wurde danach zu einem der großen Podcast-Genres.

Die Plattformen steigen ein

Ab 2019 floss großes Geld in das Medium. Spotify-Chef Daniel Ek begründete die Übernahmen von Gimlet und Anchor in seinem Beitrag „Audio First“ mit der Erwartung, dass langfristig mehr als 20 Prozent des Hörens auf Spotify keine Musik sein werde. 2020 folgte der Exklusivvertrag mit Joe Rogan. Vier Jahre später kehrte Spotify zur breiten Verteilung zurück: Seit Februar 2024 erscheint Rogans Show wieder auf allen großen Plattformen.

Die jüngste Verschiebung betrifft das Bild. In den USA nutzen laut Reuters Institute (Digital News Report 2025) 50 Prozent der Podcast-Hörer YouTube als Zugang, und laut „The Infinite Dial 2026“ haben 57 Prozent der Menschen ab 12 Jahren schon einen Podcast gehört und einen geschaut. Wie unterschiedlich das Hören je nach Land aussieht, zeigt unser Beitrag über beliebte Podcasts in anderen Ländern.

Wie hat sich Podcasting in Deutschland entwickelt?

In Deutschland kam der Durchbruch über bekannte Stimmen. Jan Böhmermann und Olli Schulz wechselten im Mai 2016 vom Radio zu Spotify und machten aus „Sanft & Sorgfältig“ den Podcast „Fest & Flauschig“. Ein Jahr später starteten Felix Lobrecht und Tommi Schmitt „Gemischtes Hack“. Laut Spotify war die Show sieben Jahre in Folge der meistgestreamte Podcast in Deutschland, im September 2026 knackte sie die Marke von einer Milliarde Streams.

Die öffentlich-rechtlichen Sender bauten parallel ihr eigenes Angebot auf. Im November 2017 ging die ARD Audiothek an den Start, seit März 2026 heißt sie ARD Sounds und erreicht laut ARD/ZDF-Medienstudie 2026 rund 15 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Wie viel Vertrauen ein Wissenschaftspodcast aufbauen kann, zeigte 2020 „Das Coronavirus-Update“ von NDR Info: Christian Drosten erklärte darin die Pandemie, die Jury des Grimme Online Award zeichnete das Format aus, das Publikum ebenfalls.

Seit 2020 hat die Szene auch eigene Auszeichnungen. Wer sie vergibt und wer gewonnen hat, steht in unserem Beitrag zum Deutschen Podcastpreis.

Wie viele Menschen hören heute Podcasts?

In Deutschland hören 25 Prozent der Menschen ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche Podcasts, zählt man Radiosendungen auf Abruf dazu, sind es 34 Prozent. Das zeigt die ARD/ZDF-Medienstudie 2026, ausgewertet in Media Perspektiven 23/2026. In den USA liegen die Werte deutlich höher, wie der Infinite Dial 2026 von Edison Research zeigt.

LandKennzahlWertQuelle
DeutschlandPodcasts, mindestens wöchentlich, ab 14 Jahren25 %ARD/ZDF-Medienstudie 2026
DeutschlandPodcasts oder Radiosendungen auf Abruf, mindestens wöchentlich, ab 14 Jahren34 % (2025: 34 %, 2024: 29 %)ARD/ZDF-Medienstudie 2026
DeutschlandPodcasts oder Radio auf Abruf, mindestens wöchentlich, 14 bis 29 Jahre43 %ARD/ZDF-Medienstudie 2026
DeutschlandTagesreichweite, ab 14 Jahren12 % (2025: 14 %)ARD/ZDF-Medienstudie 2026
USAschon einmal gehört oder geschaut, ab 12 Jahren80 % (230 Mio.)Infinite Dial 2026
USAim letzten Monat, ab 12 Jahren58 % (167 Mio.)Infinite Dial 2026
USAin der letzten Woche, ab 12 Jahren45 % (130 Mio.)Infinite Dial 2026

Direkt vergleichen lassen sich die Werte nicht, die Studien fragen unterschiedlich und beginnen bei unterschiedlichen Altersgrenzen. Die Richtung ist trotzdem klar. In den USA wächst die Nutzung weiter, in Deutschland hat sie sich nach dem Sprung von 2024 auf 2025 auf hohem Niveau eingependelt. Die oft zitierte Zahl „80 Millionen US-Hörer laut Edison 2021“ ist damit überholt.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Das Publikum ist groß genug und interessant genug. Unter den Podcast-Hörern in Deutschland sind Akademikerinnen und Akademiker mit 29 Prozent überrepräsentiert, in der Gesamtbevölkerung sind es 20 Prozent (ARD/ZDF-Medienstudie 2025). Und wer zuhört, will verstehen: 73 Prozent der Nachrichtenpodcast-Hörer sagen laut Digital News Report 2025, Podcasts helfen ihnen, Themen tiefer zu verstehen.

Für Marken heißt das: Ein Podcast eignet sich für Inhalte, die mehr Raum brauchen als ein Social-Media-Post. Siemens zeigt das mit dem Karriere-Podcast „Mehr als ein Job“. Moderatorin Sabine Beck spricht darin mit Menschen aus dem Unternehmen über ihren beruflichen Weg, echte Lebensläufe statt Stellenanzeigen. Warum solche Formate Bindung schaffen, erklären wir im Beitrag Corporate Podcasts und Markenbindung.

Die Zahlen zeigen aber auch: Das Medium wächst in Deutschland gerade nicht mehr von allein. Ein neuer Podcast konkurriert mit Formaten, die seit Jahren eine treue Hörerschaft haben. Wer heute startet, braucht deshalb ein klares Thema, eine feste Zielgruppe und eine Produktion, die mit den großen Shows mithalten kann. Und weil Video in den USA längst dazugehört, lohnt es sich, die Kamera von Anfang an mitzudenken. Wenn du einen Corporate Podcast produzieren lassen willst, begleiten wir dich vom Konzept bis zur Veröffentlichung.

Häufige Fragen

Wer hat den Begriff „Podcast“ erfunden?

Als frühester Beleg gilt ein Artikel des Journalisten Ben Hammersley im Guardian vom 12. Februar 2004. Er schlug „Podcasting“ dort als einen von drei möglichen Namen für das neue Amateurradio vor, neben „Audioblogging“ und „GuerillaMedia“.

Seit wann gibt es Podcasts bei Apple?

Seit dem 28. Juni 2005. Mit iTunes 4.9 bekam die Software ein Podcast-Verzeichnis mit zunächst über 3.000 kostenlosen Sendungen. Heute laufen Podcasts bei Apple in der eigenen App Apple Podcasts.

Ist „Serial“ der meistgehörte Podcast aller Zeiten?

Dafür gibt es keinen Beleg. Belegt ist, dass „Serial“ Ende 2014 der am schnellsten heruntergeladene Podcast in der Geschichte von iTunes war, mit über fünf Millionen Downloads. Auf Spotify stand 2025 weltweit „The Joe Rogan Experience“ auf Platz eins.

Wie viele Menschen in Deutschland hören Podcasts?

Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2026 hört ein Viertel der Menschen ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche Podcasts. Zählt man Radiosendungen auf Abruf dazu, sind es 34 Prozent.

Du planst einen eigenen Podcast?

Wir entwickeln und produzieren Podcasts für Unternehmen, vom ersten Konzept bis zur fertigen Folge auf allen Plattformen. Wie das abläuft, steht unter Podcast Produktion. Oder du erzählst uns direkt von deiner Idee.

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